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Unesco-Ehrung der Werke der Hofschule Karls des Großen


15.04.2024 - 16:42 Uhr


Die Aufnahme der Handschriften aus der Hofschule Kaiser Karls des Großen mitsamt dem kostbaren Trierer Ada-Evangeliar ins Unesco-Weltdokumentenerbe ist am Montag feierlich besiegelt worden. Die Präsidentin der Deutschen Unesco-Kommission, Maria Böhmer, überreichte die entsprechenden Urkunden an die Stadt Trier und an Vertreter von Archiven und Bibliotheken aus Frankreich, Großbritannien, Österreich und Rumänien.

«Die Auszeichnung als Teil des «Memory of the World» steht für die Anerkennung Ihres wertvollen, grenzüberschreitenden Erbes», sagte Böhmer bei dem Festakt in Trier. Die Werke waren im Mai 2023 in die internationale Liste der Unesco aufgenommen worden. Die Stadtbibliothek Trier hatte den Antrag für die karolingischen Handschriften gemeinsam mit der französischen Nationalbibliothek Paris auf den Weg gebracht.

Die insgesamt elf kostbaren Bilderhandschriften sind rund 1200 Jahre alt. Die meisten enthalten den lateinischen Text der vier Evangelien, sind in Goldtinte geschrieben und mit Porträts der Evangelisten versehen. Hauptwerk ist das Ada-Evangeliar, das in der Wissenschaftlichen Bibliothek der Stadt Trier aufbewahrt wird. Die anderen Handschriften liegen in Archiven und Bibliotheken in Paris, London, Wien und Bukarest.

Das Ada-Evangeliar mit 172 Pergament-Seiten und einem kostbaren Buchdeckel aus Gold und Edelsteinen sei um das Jahr 800 wohl am Hof Karls des Großen in der Aachener Kaiserpfalz entstanden, sagte Bibliotheksleiter Francesco Roberg in Trier. Die reich verzierten und illustrierten Texte seien in jahrelanger Arbeit verfasst worden. Der kostbare Buchdeckel kam nachträglich im Jahr 1499 dazu.

Der Trierer Oberbürgermeister Wolfram Leibe (SPD) sagte: «Es ist für uns in der Stadt Trier ein ganz, ganz wichtiger Tag.» Die Ehrung der karolingischen Handschriften mit dem Ada-Evangeliar zeige: «Europa ist nicht nur ein heutiger Begriff. Europa bestand schon immer, es ist unser gemeinsamer Kulturraum, den wir heute auch ein Stück weit feiern.»

Die rheinland-pfälzische Innenstaatssekretärin Simone Schneider (SPD) sagte: «Besonders in diesen Zeiten ist die Bedeutung von Kunst und Kultur als verbindendes Element von unschätzbarem Wert. Daher ist es wichtig, das Ada-Evangeliar und andere historische Handschriften der Öffentlichkeit zugänglich zu machen und zu erhalten.»

Derzeit zählen fast 500 Dokumente weltweit zum Weltdokumentenerbe, darunter rund 30 aus Deutschland. Dazu gehören auch eine Gutenberg-Bibel, der literarische Nachlass von Johann Wolfgang von Goethe, die Himmelsscheibe von Nebra und das Nibelungenlied.

Das entsprechende Unesco-Programm gibt es seit 1992. Ziel des internationalen Registers ist es, dokumentarische Zeugnisse von außergewöhnlichem Wert in Archiven, Bibliotheken und Museen zu sichern, zugänglich zu machen und auf deren Bedeutung hinzuweisen.

© dpa-infocom, dpa:240415-99-684393/2

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