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Mineralfutter beim Pferd: warum die Raufutteranalyse am Anfang steht


Bild ist KI generiert

Kaum ein Segment im Pferdemarkt ist so unübersichtlich wie das der Mineralfutter. Dutzende Produkte, unterschiedliche Konzentrationen, wechselnde Empfehlungen – und die berechtigte Frage, ob das eigene Pferd überhaupt etwas davon braucht. Beantworten lässt sich das nur von einer Seite her: vom Raufutter aus. Alles andere ist geraten.

Das Raufutter bestimmt die Ration

Ein Pferd nimmt täglich etwa 1,5 bis 2 Prozent seiner Körpermaße an Trockensubstanz auf – bei einem 550-Kilo-Warmblut also rund 8 bis 11 Kilogramm. Der weitaus größte Teil davon entfällt auf Heu, Gras oder Heulage. Damit stammt auch der überwiegende Anteil der aufgenommenen Mineralstoffe aus dem Raufutter, nicht aus dem Kraftfutter und schon gar nicht aus dem Mineralfutter.

Daraus folgt eine simple Logik: Wer nicht weiß, was das Raufutter liefert, kann nicht wissen, was ergänzt werden muss. Ein Mineralfutter «auf Verdacht» kann Lücken schließen – es kann aber ebenso gut Überschüsse verstärken oder Verhältnisse verschieben, die vorher stimmten.

Was eine Analyse liefert

Eine Standarduntersuchung von Heu umfasst in der Regel Trockensubstanz, Rohprotein, Rohfaser, Rohasche und Energie, ergänzt um die Hauptmengenelemente Calcium, Phosphor, Magnesium, Kalium und Natrium. Für Spurenelemente wie Zink, Kupfer, Mangan und Selen ist meist eine erweiterte Analyse nötig, die separat beauftragt wird.

Die Probenahme entscheidet über die Aussagekraft: Sinnvoll ist eine Sammelprobe aus mehreren Ballen derselben Partie, nicht eine Handvoll aus dem obersten Ballen. Und die Analyse gilt für genau diese Partie – wer im Winter Heu vom eigenen Betrieb und im Sommer Zukauf füttert, hat zwei unterschiedliche Ausgangslagen.

Warum Tabellenwerte nicht ausreichen

Häufig wird stattdessen mit Durchschnittswerten aus Nährwerttabellen gerechnet. Als erste Orientierung ist das legitim, als Berechnungsgrundlage nur begrenzt. Die Futtermitteldatenbank von Agroscope, die Zusammensetzung und Nährwerte der in der Schweiz erhältlichen Futtermittel abbildet, weist genau darauf hin: Die aufgenommenen Futterwerte sind aufbereitete Mittelwerte auf Trockensubstanz-Basis – und Futterdaten sind naturgegeben variabel. Frei zugänglich ist neben der Abfrage gemittelter Werte auch die Raufutterenquête mit Einzelwerten.

Die Streuung ist erheblich. Standort, Bodentyp, Düngung, Pflanzenbestand, Schnittzeitpunkt und Witterung beeinflussen den Mineralstoffgehalt deutlich. Zwei Heupartien aus derselben Region können sich in einzelnen Werten um ein Mehrfaches unterscheiden. Genau deshalb ist die Analyse des eigenen Raufutters keine Feinheit für Profis, sondern die eigentliche Grundlage.

Was «Mineralfutter» rechtlich bedeutet

Der Begriff ist nicht beliebig. Nach der schweizerischen Futtermittel-Verordnung sind Mineralfuttermittel Ergänzungsfuttermittel mit mindestens 40 Prozent Rohasche, bezogen auf ein Futtermittel mit 88 Prozent Trockensubstanz. Ergänzungsfuttermittel wiederum sind Mischfuttermittel mit hohem Gehalt an bestimmten Stoffen, die nur zusammen mit anderen Futtermitteln für die tägliche Ration ausreichen.

Praktisch heißt das: Ein Produkt mit deutlich geringerem Rohaschegehalt ist kein Mineralfutter im rechtlichen Sinn, auch wenn es Mineralstoffe enthält. Der Rohaschegehalt steht in der Deklaration – ein schneller Prüfpunkt beim Vergleich.

In sieben Schritten zur passenden Ergänzung

  1. Raufutter beproben: Sammelprobe aus mehreren Ballen derselben Partie ziehen.

  2. Analyse beauftragen: Standardanalyse plus Spurenelemente, sofern budgetierbar.

  3. Ration erfassen: Tatsächliche Mengen an Heu, Gras, Kraftfutter und Zusätzen notieren.

  4. Bedarf gegenüberstellen: Nach Körpermaße, Alter, Arbeitsleistung und Status (tragend, wachsend).

  5. Lücken identifizieren: Nicht einzelne Werte betrachten, sondern auch die Verhältnisse zueinander.

  6. Produkt auswählen: Gehalte je Tagesdosis vergleichen, nicht je Kilogramm Produkt.

  7. Nachkontrollieren: Bei neuer Heupartie oder verändertem Arbeitspensum neu rechnen.

Verhältnisse sind wichtiger als Einzelwerte

Ein Punkt, der in Produktvergleichen regelmäßig untergeht: Mineralstoffe konkurrieren um dieselben Aufnahmewege. Beim Calcium-Phosphor-Verhältnis gilt ein Bereich von etwa 1,5:1 bis 2:1 als anzustreben; kippt es zugunsten von Phosphor, wird die Calciumverwertung beeinträchtigt. Heu aus kalkreichen Lagen liefert häufig reichlich Calcium – eine zusätzliche calciumbetonte Ergänzung kann dann das Verhältnis zu Zink und anderen Spurenelementen ungünstig verschieben.

Ähnliches gilt für Zink und Kupfer, deren Verhältnis üblicherweise im Bereich von drei bis vier zu eins angesetzt wird. Ein hochdosiertes Zinkprodukt ohne entsprechende Kupferbegleitung ist deshalb nicht automatisch die bessere Wahl.

Selen: der Sonderfall

In weiten Teilen der Schweiz gelten die Böden als selenarm, entsprechend niedrig fallen die Gehalte im heimischen Raufutter aus. Gleichzeitig ist Selen das Element mit dem engsten Fenster zwischen Bedarf und Überversorgung. Beides zusammen macht es zu dem Nährstoff, bei dem Rechnen statt Schätzen am wichtigsten ist – insbesondere, wenn mehrere Produkte parallel gefüttert werden und sich Gehalte addieren.

Typische Fehler in der Praxis

Vier Muster tauchen immer wieder auf. Erstens die Dosierung nach Augenmaß statt nach Messlöffel – Abweichungen um den Faktor zwei sind dabei nicht selten. Zweitens die Kombination mehrerer angereicherter Produkte, ohne die Gesamtzufuhr zu addieren. Drittens die unveränderte Fütterung über den Wechsel der Heupartie hinweg. Und viertens der Umstieg auf ein anderes Produkt allein aufgrund des Kilopreises, ohne die Konzentration je Tagesdosis zu vergleichen.

Ein günstiges Mineralfutter, von dem 200 Gramm täglich nötig sind, kann teurer sein als ein konzentriertes mit 30 Gramm Tagesdosis – und umgekehrt.

Produkte vergleichen

Beim Vergleich lohnt der Blick auf drei Angaben: Rohaschegehalt, Gehalte je Tagesdosis und die Form der eingesetzten Verbindungen. Organisch gebundene Spurenelemente werden häufig als besser verfügbar beworben; belastbare Unterschiede zeigen sich vor allem in Mangelsituationen, im Normalfall ist der praktische Unterschied kleiner als der Preisunterschied.

Sinnvoll ist außerdem, auf die Deklaration zu achten: Eine offene Deklaration mit Einzelkomponenten sagt mehr aus als Sammelbegriffe. Wer im Onlineshop für Tierfutter und Ergänzungsfutter oder im Fachhandel vergleicht, sollte die Analysewerte des eigenen Raufutters dabeihaben – erst im Abgleich mit diesen Zahlen lässt sich beurteilen, welches Produkt zur Ration passt.

Wann fachliche Unterstützung sinnvoll ist

Bei gesunden Freizeitpferden mit gleichbleibender Ration ist die Berechnung mit etwas Einarbeitung selbst machbar. Anders sieht es aus bei Stoffwechselerkrankungen, bei tragenden oder säugenden Stuten, im Wachstum sowie bei Pferden mit auffälligen Befunden. Hier gehört die Rationsgestaltung in tierärztliche oder fachlich qualifizierte Hände – auch weil Symptome, die einer Unterversorgung zugeschrieben werden, oft andere Ursachen haben.

Fazit

Mineralfutter ist keine Grundausstattung, sondern eine Ergänzung – und Ergänzung setzt voraus, dass die Lücke bekannt ist. Die Kosten einer Raufutteranalyse liegen deutlich unter dem, was über ein Jahr für ein möglicherweise unpassendes Produkt aufgewendet wird. Wer die Ration einmal sauber durchrechnet, kauft anschließend gezielter, dosiert korrekter und spart in vielen Fällen sogar Geld.

29.07.2026

 

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Alle "Tipps-und-Tricks"-Artikel wurden dem Unternehmen von einem Sponsoringpartner zur Verfügung gestellt. Die Inhalte sind redaktionell nicht aufgearbeitet worden.

 

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