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RADIO SALÜ Hitstory

Ein Song und seine ganz besondere Geschichte. Die Hitstory hört ihr immer mittwochs!


Hitstory 15. April 2026:
Schulte, Michael – 5 a.m.

Morgens um 5 Uhr, kurz vor Sonnenaufgang – ganz langsam durchdringt das Licht die Dunkelheit. Eine magische Zeit zwischen dunkler Nacht und neuem Tag. Eine Zeit, die Michael Schulte so faszinierend findet, dass er einen Song darüber gemacht hat. „Beautiful Reasons“ heißt sein brandaktuelles Album. Und die Single, na klar: „5 a.m.“, also „morgens um fünf“. Schulte singt:

„Du bringst mich zum Leuchten
wie der Himmel um 5 Uhr morgens.
Ich war in der Dunkelheit verloren.
Ja, ich brenne für deine Liebe.“

Die „5 Uhr morgens“-Metapher soll sagen: Nach einer schwierigen Phase, nach einer inneren Leere wird es höchste Zeit für einen Neuanfang. Diese „schwierige Phase“ schildert er so:

„Fragst du dich,
warum die Nacht so kalt ist,
warum Hoffnung sich so hoffnungslos anfühlt
und warum gebrochene Herzen noch mehr zerbrechen?“

Die Reaktion liefert Schulte gleich mit. Und die ist überaus positiv:

Ich war in der Dunkelheit,
als du mir den Weg nach Hause erhellt hast.“

Er denke, so der Familienvater Schulte, mit seinem Song an eine wichtige Person, die Energie, Liebe und Tatendrang in ihm auslöse, die ihn motiviere und in allen Lebenslagen besser mache. Und, geht es nach dem Sänger, eine Person, die er jedem für sein Leben wünscht.

Dahinter steckt Schultes Erfahrung: Wenn du einen Halt hast, auf den du dich felsenfest verlassen kannst, hilft dir das, dunkle, schwierige Zeiten in deinem Leben hinter dir zu lassen. Kein Wunder, das dieser Song voller Optimismus und Power daherkommt.


Hitstory 8. April 2026:
Swift, Taylor – Opalite

Als Kind entwickelte Taylor Swift eine Vorliebe für Opale – Edelsteine, die hell und klar leuchten. Welch Zufall, dass Swifts Verlobter, der American-Football-Star Travis Kelce im Oktober, dem Monat des – na? – Opal geboren wurde. Angeblich Garant für die Eigenschaften Hoffnung und Kreativität. Wie so oft macht Taylor Swift auch dieses Detail aus ihrem Privatleben öffentlich: In „Opalite“ singt sie zunächst über vergangene toxische Beziehungen, die sie wie ein Trauma verfolgen. Dann die Wende, wenn Taylor Gedanken ihrer Mutter wiedergibt:

„Du hast durch Blitze getanzt schlaflos in der Onyxnacht.
Es gab noch nie jemanden wie dich.
Du musstest dir deinen eigenen Sonnenschein schaffen.
Jetzt ist der Himmel opalit.“

Aus dem tiefschwarzen, undurchsichtigen Onyx-Stein wird ein sanft leuchtender Opalit – aus einem Leben voller Abgründe, Irrungen und Wirrungen wird Harmonie und persönliches, tief empfundenes Glück.

Mit dem Songtitel „Opalite“ setzt Taylor Swift sogar noch einen drauf: Denn im Gegensatz zum seltenen Edelstein Opal ist der Opalit ein Produkt der Glasmacherkunst. Künstlich, entstanden nach dem Geschick und Können des jeweiligen Glasmachers.

Im Songkontext heißt das: Wahres Glück ist kein zufälliges Geschenk des Schicksals oder einer höheren Macht. Schaff dir dein Glück, deinen eigenen Sonnenschein, gezielt selbst. Wahres Glück kommt aus deinem eigenen Inneren. Du bist selbst dafür verantwortlich, nicht der Zufall. Frei nach dem Motto: Hilf dir selbst, dann hilft dir Gott.


Hitstory 1. April 2026:
Williams, Robbie – All My Life

Sex & Drugs & Rock’n’Roll in vollen Zügen, psychische Probleme, immer wieder Streit mit den Bandkollegen – als Robbie Williams im Sommer 1995 bei Take That ausstieg, war das für alle Beteiligten eine Erlösung. Viel zu oft hatte sich der Sänger zum Affen gemacht. Er sei sein Leben lang ein frecher Affe gewesen, so der Sänger später. Ganz konsequent erscheint er denn auch in seinem 2024er Biopic auch als computergenerierter Affe.

Aktuell ist der vielleicht beste Entertainer der Welt wieder auf Tour. Da singt er auch einen musikalischen Rückblick auf sein Leben: „All My Life“.

„Mein ganzes Leben lang habe ich Visionen gejagt
bis an den Rand meines Verstandes.
Wenn ich nicht sein kann, wer ich bin,
dann würde ich lieber sterben.
Und mir geht es gut!
Baby, ich war mein ganzes Leben lang verrückt.“

So kann nur jemand sprechen, der wegen seines Lebenswandels nicht unter die Räder geraten ist. Einer, der zufrieden auf sein Leben zurückblickt. Und immer noch den Kampf zwischen Tiefpunkten und Höhenflügen kämpft, wenn auch etwas ruhiger als früher. Nur wer sich auf diesen verrückt erscheinenden Kampf einlässt, hat die Chance auf tiefe Zufriedenheit und Glück, so wohl Robbies Erkenntnis.

Genau die formulierte bereits im 15. Jahrhundert der Theologe und Humanist Erasmus von Rotterdam in Form seines bekanntesten Aphorismus:

„Die höchste Form des Glücks ist ein Leben mit einem gewissen Grad an Verrücktheit.“

Die Kunst besteht darin, dass die Verrücktheit jenen gewissen Grad nicht überschreitet.


Hitstory 25. März 2026:
Loi – Red Eyes

Gerötete Augen – auf einem Foto lassen die sich mit einem kurzen Klick entfernen. Im richtigen Leben ist das komplizierter. Mit „Red Eyes“ hat Loi einen Song darüber gemacht:

„Wir haben jede Jahreszeit durchlebt,
aber Sandburgen gebaut.
Jetzt bin ich hier allein gelassen.
Warum habe ich diese roten Augen?
Sie halten mich die ganze Nacht wach,
wo ich doch am Paradies nippen sollte.
Sie lassen mich verschwommene Linien sehen.“

Schlaflosigkeit, Trauer, emotionale Erschöpfung – rote Augen spiegeln das Innere. Aber nicht nur. Sie verhindern auch, die Realität klar zu sehen. Der Grund: Was stabil und sicher schien, erweist sich bei einer Trennung so fragil wie Sandburgen. Nichts Menschliches hält ewig, warnt schon der biblische Schriftsteller Matthäus. Unvergängliches gäbe es nur in einer anderen, göttlichen Welt.

Was aber angesichts von Schmerz und Kummer bleibt, ist die Frage nach dem Warum: statt Glücksgefühl nun Einsamkeit – warum?

Im Interview zieht Loi eine Parallele: Nach energiegeladenen Konzerten sei es ihr oft schwergefallen, in die Stille ihrer Wohnung zurückzukehren. Schrittweise habe sie gelernt, die Stille zuzulassen, sie zu akzeptieren. Dabei habe sie sogar sich selbst besser kennengelernt.

Mit „Red Eyes“ lädt Loi ihre Hörerinnen und Hörer dazu ein, über die eigenen „roten Augen“ nachzudenken und sich zu fragen, welche Hindernisse dem eigenen Paradies im Wege stehen. Und am Ende zu akzeptieren: Glück, aber auch Rückschläge und Enttäuschungen – beides gehört zum menschlichen Leben dazu.


Hitstory 18. März 2026:
Humberstone, Holly – To Love Somebody

Bevor Taylor Swift am 16. August 2024 die Bühne des Wembley-Stadions betritt, singt dort eine fast Unbekannte: Holly Humberstone. Im UK gilt sie als bester Jungstar. In Kürze erscheint ihr zweites Album. Dessen Titel „Cruel World“ steht stellvertretend für Holly Humberstones gesamtes bisherige Schaffen: eine chaotische Welt und der Mensch hilflos mittendrin.

In der zweiten Vorab-Single „To Love Somebody“ heißt es:

„Du bist also gegen die Wand gekracht, räumst die Scherben bei Seite und denkst: ‚Was zum Teufel war das denn?‘ Ja, im Film deines Lebens bist du die Erste, die stirbt. Die Kritiker nannten es nur ‚Müll‘. Schade!

Der Song entstand, als Holly Humberstone den Liebeskummer einer engen Freundin miterlebte. Die bemerkenswerte Erkenntnis der 25jährigen Sängerin: Unter einem Verlust sollte man nicht nur leiden, sondern auch das Positive daran zu sehen. Denn wer durch schwierige Zeiten geht, lernt mehr über sich selbst und entwickelt neue Stärken. Aus Lebenskrisen lassen sich wichtige Lektionen ziehen, um im Leben voranzukommen – ein Gedanke, mit dem auch die großen Religionen angesichts von Leid trösten.

Ihrer Freundin solle „To Love Somebody“ zudem sagen: Trotz deines Leides hast du wenigstens die Erfahrung von Liebe gemacht. Vielleicht nur eine kurze Zeit lang, aber immerhin.

Letztlich ist „To Love Somebody“ eine Einladung, die eigene Verletzlichkeit anzunehmen. Und zu erkennen: Trotz möglicher Enttäuschungen ist Liebe das wichtigste im menschlichen Leben.


Hitstory 11. März 2026:
Kelly, Michael Patrick – Run Free

In wenigen Wochen startet Michael Patrick Kelly seine neue Tournee. „Traces“ heißt die, benannt nach seinem aktuellen Album. Ein Song daraus: „Run Free“. Michael Patrick singt:

„Du schwimmst im Kreis deiner Zweifel
nur einen Schlag entfernt vom Burnout.
Du checkst ein, aber dann checkst du aus.
Du siehst nur Schatten in der Dunkelheit, aber nichts in den Sternen.
Auf und ab, du schwebst, dann ertrinkst du,
Dein Lächeln ist im Stirnrunzeln erloschen.
Alles ist ausverkauft.“

Thema von „Run Free“ ist die Befreiung von allem, was innerlich stresst und nachts den Schlaf raubt. Der Musiker ist sich sicher: Hilfe bekommt vor allem, wer seine Gefühle nicht verbirgt. Im Song heißt es tröstend:

„Ich nehme die Last auf mich, wenn du dich festhältst.
Lass die Tränen trocknen, lass deine Sorgen los.“

Loslassen, reflektieren, Kraft schöpfen – so die Botschaft des Songs. Und ganz im Sinne des Bonifatiuswerks. Mit diesem katholischen Hilfswerk arbeitet der Musiker seit Jahren zusammen. Beide appellieren: Verliere dich nicht in Selbstoptimierung, sondern besinne dich auf das, was dich auch in schwierigen Lebenssituationen trägt.

Für Michael Patrick sind das vor allem Menschen. „Viele Menschen kommen in dein Leben, aber nur wenige hinterlassen Spuren“ – das stand auf einem T-Shirt, das der Musiker vor über 20 Jahren trug… am Todestag seines Vaters.

Spuren im Leben von Menschen zu hinterlassen und für andere da zu sein – davon singt Michael Patrick in seinen kraftvollsten Songs. Auch in diesem.


Hitstory 4. März 2026:
Kamrad – Hug Yourself

Weil sich in Kamrads Umfeld mehrere Paare trennten, wollte er einen Song über Trennungen schreiben. Problem: Er und seine Freundin sind seit rund 12 Jahren ein Paar. Trennungsschmerz kennt der 29jährige nicht. Also befragte er seine Freunde nach ihren Gefühlen. Das Ergebnis: „Hug Yourself“. Kamrad singt:

„Ich bin nicht einmal sauer darüber.
Es ist besser so.
Wir sollten alles hinter uns lassen,
können nicht zusammenbleiben.
Darüber müssen wir uns nicht streiten.
Wir können das Wetter nicht ändern!“

Die Beziehung ist am Ende. Jedes Auflehnen dagegen ist sinnlos… wie ein Kampf gegen das Wetter. Neben Verlust winkt sogar Befreiung:

„Ich fühle mich lebendig, kann wieder atmen.
Du bist aus meinem Kopf, ich muss mich nicht verstellen.
Mir wird klar: Ich bin mein eigener bester Freund.“

Was bedeutet: Nach dem Ende einer toxischen Beziehung bietet sich die Chance, die eigene Identität, das eigene Ich wiederzuentdecken. Kamrad unterstreicht dies durch ein mehrfaches

„Du kannst gehen und dich selbst umarmen.“

Wie eine Beschwörungsformel richtet sich diese Formulierung nicht nur an die Ex, sondern an jeden und jede: Zuerst musst du dich selbst annehmen und akzeptieren – der erste Schritt, damit du mit dir ins Reine kommst. Denn Trost und Stabilität liegen in deinem Inneren, sie kommen nicht von außen. Erst wenn es dir gut geht, kannst du auch deine Mitmenschen wieder liebevoll annehmen. Denn die Fähigkeit zur Gemeinschaft beginnt bei dir selbst.

Verlust als Chance zur eigenen Weiterentwicklung.


Hitstory 25. Februar 2026:
Bastille – Save My Soul

Mit „Pompeii“ hatten Bastille 2013 ihren ersten großen Hit. Mit einem Song über die Ängste eines Menschen melden sich die Briten zurück. In „Save My Soul“ heißt es:

„Wirst du mich lieben, wenn der Glanz verblasst ist,
wenn ich alt und müde bin und graue Haare habe?
Wirst du da sein, wenn alle Lichter erloschen sind?
Wenn der Mond die Flut weit weggezogen hat?“

Also: Was passiert, wenn ich nicht mehr der bin, der ich jetzt bin? Es geht also um Verletzlichkeit und um Beziehung. Über allem thront die inständige Bitte:

„Rette meine Seele!“

Die Metapher der Seele zeigt: Es geht um Kopf und Kragen, um die gesamte Existenz. Ein Mensch schreit in höchster Not und Verzweiflung. Wenn sich Menschen selbst nicht mehr helfen können – in der Bibel wenden sie sich an Gott. Und erbitten sein Eingreifen (vgl. Psalm 6, 86; Jer 17.14 u.a.).

Auch Bastille-Sänger Dan Smith bittet in diesem autobiographischen Song um Hilfe. Seine Kämpfe: Die Angst vor dem Altern; die Erwartung, nach außen stark wirken zu müssen, sich innerlich aber schwach zu fühlen. Doch „Save My Soul“ ist weit mehr als ein Einblick in die Psyche eines Musikers:
Die Rettung der Seele mag für Menschen nicht leistbar sein:

„Aber du könntest mein Herz erwecken“.

Diese Schlüsselzeile fordert dazu auf, für seine inneren Kämpfe Hilfe anzunehmen. Und: In einer engen, vertrauensvollen zwischenmenschlichen Beziehung lässt sich das innere Feuer eines Menschen neu entfachen. Denn Liebe und Geborgenheit helfen, Sinn im Leben zu finden.
Die Rettung der Seele liegt wohl ohnehin in den Händen einer anderen Macht.


Hitstory 18. Februar 2026:
Merton, Alice – Vision

Vor 10 Jahren hatte Alice Merton mit ihrer ersten Single „No Roots“ einen Megahit: 400 Millionen Klicks, dazu Platz 2 in Deutschland für ihr Debütalbum „Mint“. Im März präsentiert die gebürtige Frankfurterin live ihr drittes Album „Vision“. Im Titeltrack singt sie von Zweifeln an eigenen Ideen:

„Blinder Glaube!
Ich schreie wütend zu den Göttern, weine am Tor zum Ozean.
Ich drehe mich weiter, wende mich ab, ändere meine Wege.
Meine einzige wahre Liebe existierte.
Was muss ich tun, damit du siehst,
dass ich nicht verrückt bin?
Ich bin nicht krank, meine Träume widersprechen dem nicht.
Ich bin so müde von all deinen Fragen und Zweifeln.“

Ziemlich poetisch beschreibt „Vision“ Erfahrungen, die fast jeder kennt: Wenn sich die eigenen Ideen und Träume nicht mit dem Mainstream decken, wird man schnell zum Außenseiter. Doch das interessiert die Sängerin nicht.
Extremsportler suchen unter Gefahr für ihr Leben nach Grenzerfahrungen, die es im Alltag nicht gibt. Das beflügelt sie. Ähnlich bei Alice Merton: Auch gegen Widerstände verfolgt sie ihre Ideen, gewinnt dadurch tiefere Einsichten ins Leben. Eine befreiende Erfahrung. Denn:

„Meine Lungen haben gelernt zu atmen trotz deiner drängenden Ungläubigkeit.“

Fazit: Zweifel besiegst du nicht durch Resignation. Du musst dich ihnen entgegenstellen. Voraussetzung: Du hast etwas oder jemanden, dem du blind vertrauen kannst.
„Vision“ macht all denen Mut, die an ihren eigenen Ideen zweifeln und schon überlegen, auf die Umsetzung ihrer Träume zu verzichten.


Hitstory 4. Februar 2026:
Springsteen, Bruce – Streets Of Minneapolis

Brutales Vorgehen von Regierungstruppen gegen Zivilisten in Minneapolis, zwei Menschen verlieren ihr Leben. Mit „Streets Of Minneapolis“ protestiert Bruce Springsteen gegen die Gewalt der Truppen. Und macht gleich noch die Verantwortlichen für das sinnlose Sterben aus: Donald Trump und sein Umfeld. Springsteen singt:

„König Trumps Privatarmee kam schwerbewaffnet nach Minneapolis,
um das Gesetz durchzusetzen.
Das ist ihre Version der Geschichte.
Im frühen Morgenlicht standen Bürger für Gerechtigkeit auf.
Es gab blutige Fußspuren, wo Barmherzigkeit hätte stehen sollen.
Es gab zwei Tote, zurückgelassen auf verschneiten Straßen:
Alex Pretti und Renée Good.“

„Streets Of Minneapolis“ ist purer Protest, zeigt aber auch die Lebenshaltung des bekennenden Katholiken Springsteen. Die Vorlage dazu stammt aus dem biblischen Buch der Sprüche:

„Tu deinen Mund auf für die Stummen und für die Sache aller, die verlassen sind.
Tu deinen Mund auf, richte in Gerechtigkeit
Und schaffe Recht dem Elenden und Armen.“ [Spr 31, 8f.]

Das bedeutet: denjenigen eine Stimme zu geben, die keine Stimme haben. Oder zu schwach sind, um für sich selbst einzustehen. Genau das tut Springsteen in vielen seiner Songs. In „Streets Of Minneapolis“ verspricht er zudem: Man werde die Getöteten von Minneapolis nicht vergessen.

„Wir werden für dieses Land Stellung beziehen
und für den Fremden in unserer Mitte!“

Der Kampf gegen Ungerechtigkeiten wird weitergehen. Wenigstens etwas Trost angesichts trauriger Ereignisse.


Hitstory 28. Januar 2026:
Grennan, Tom – Somewhere Only We Would Know

Disco, Mädchen, Alkohol – vorbei war die Fußballerkarriere des jungen Tom Grennan. Und gleich schlug das Schicksal ein zweites Mal zu. Wortwörtlich: Ein paar Idioten verpassten dem Teenager einen komplizierten Kieferbruch. Das erste Mal, dass für ihn eine Welt zusammenbrach, so der Sänger später. Depressiv sei er gewesen, habe an Suizid gedacht, geglaubt, er würde von niemandem geliebt. Jahrelang begleitete ihn dieses Trauma. Es gelang ihm nicht, sich irgendjemanden anzuvertrauen.

Mittlerweile kann Tom Grennan über seine Kindheit und Jugend sogar singen. In „Somewhere Only We Would Know“ gibt es auch schöne Erinnerungen:

„Ein Ort, den nur wir kennen, an den nur wir gehen.
Es kommt mir vor, als wären wir erst gestern noch Kinder gewesen.
Wir waren jung. Wo ist das geblieben?
Ja, wir sind erwachsen geworden,
haben uns im Laufe der Jahre auseinandergelebt.
Aber du bist mir nicht aus dem Kopf gegangen.“

„Somewhere Only We Would Know“ ist mehr als ein nostalgischer Rückblick. Die Botschaft: Bewahre dir deine Erinnerungen. Sie sind eine Art geistiger Zufluchtsort. Manche Religionen nennen das „Begegnung mit dem Göttlichen“ und „Innerer Tempel“– Begriffe, die Tom Grennan als Katholik und langjähriger Schüler an katholischen Schulen kennt. Aus eigener Erfahrung weiß er: Wer seine Erinnerungen pflegt und weiterleben lässt, schafft gleichzeitig die Grundlage, um Verletzungen zu verarbeiten. Und um sie zu heilen. Manchmal, wie bei Tom Grennan, erst Jahre später. Aber immerhin.


Hitstory 21. Januar 2026:
BossHoss, The – I’ll Be Back

Ein Typ wird an einer Polizeiwache abwiesen, mustert den Beamten und geht. Zuvor sagt er vieldeutig: „Ich komme wieder.“ Wenig später zerlegt er mit seinem Auto die Polizeistation.

Das ikonische „I’ll Be Back“ stammt von 1984. Arnold Schwarzenegger sagt ihn im ersten Terminator-Film. Bis heute immer wieder zitiert, auch von The BossHoss in ihrem gleichnamigen Song. Extra dafür ging Arnie noch einmal ans Mikrophon.

Wie immer: zwischen Rock und Country, der unverkennbare Gesang, die übliche Gelassenheit – ein typischer BossHoss-Song. Dazu ein tiefgründiger Text:

„Ich bin ein Reisender
und werde überall auf dieser Welt sein, so frei.
Ich schlage keine Wurzeln, ich ziehe weiter.
Meine Stiefel werden mich nicht im Stich lassen.“

Immer unterwegs, Reisen ohne Ziel, das Versprechen zurückzukommen – das typische Road-Song-Mantra also. Im Song ist der Weg das Ziel. Kein Abrackern, um seinen Platz in der Gesellschaft zu finden. Aber das feste Vertrauen, dass jemand hilft, wenn mal alles drunter und drüber geht. Zitat:

„Die Welt ist verrückt geworden, aber ich bleibe cool.
Haltet durch, Leute, es lohnt sich.
Bleibt cool, behaltet den Glauben.
Ich komme zurück!“

„Crazy“ und „Faith“ – trotz einer verrückten Welt bleibt die Hoffnung, dass alles wieder gut wird.

„Ich komme wieder“, sagte Jesus und versprach ein unendliches Reich des Friedens. Davon ist die Berliner Kapelle gar nicht so weit weg. Ein Song voller Trost und Zuversicht, dazu humorvoll und party-tauglich. Eben ein typischer BossHoss.


Hitstory 14. Januar 2026:
Santos, Nico – Home Pt. 2

Rund zehn Jahre nach „Home“ veröffentlicht Nico Santos mit „Home pt. 2“ eine Fortsetzung. Darin geht es um Einsamkeit und die Sehnsucht zweier Menschen, die räumlich voneinander getrennt sind. Und es geht um das Zuhause als Wohlfühlort, als sicheren Hafen. Trotz Trennungsschmerz ist der Song optimistisch:

„Ich weiß, auch wenn es weit weg ist:
Wir sehen dieselben Sterne!“

Ein schönes Bild für eine unsichtbare Kraft, die Zeit und Raum überwindet – und damit auch Trennungen. Diese Kraft beschreibt schon vor rund 2000 Jahren die Bibel so:

„Wo dein Schatz ist, da ist auch dein Herz.“ (Mt 6,21 bzw. Lk 12,34)

Das heißt: Quasi automatisch richten Menschen ihre Aufmerksamkeit und Gefühle auf das, was ihnen am wichtigsten ist. Und: Wo ich mich wohlfühle, wo mich Menschen annehmen wie ich bin, wo sie mir Liebe, Geborgenheit und Sicherheit schenken – da ist mein Zuhause.

Nico Santos weiß: Besonders wenn er, der Musiker, auf Tour von seiner Frau Aileen Anna getrennt ist, können ihm unterschiedliche Stolpersteine begegnen. Die umschreibt er mit eingängigen Bildern. Und verbindet sie sofort mit dem Motiv des Heimkehrens:

„Durch Feuer, durch Regen,
durch schlechte Tage, durch Veränderungen;
kommt die Hölle oder kommt die Flut:
Ich werde zu dir nach Hause kommen.“

„Home pt. 2“ ist ein hoffnungsvoller Song. Er verbreitet die Überzeugung, dass Liebe und Gefühle füreinander auch über Entfernungen hinweg bestehen bleiben. Und was das Zuhause, den „sicheren Hafen“ anbelangt: „Die Menschen machen das Zuhause aus“, ist sich der Musiker sicher.


Hitstory 7. Januar 2026:
Rosalía – Divinize

Die Musikzeitschrift Rolling Stone sprach vom „besten Album des ausklingenden Jahres“, FAZ, SPIEGEL und selbst der Vatikan jubelten. Und zwar über „Lux“, das aktuelle Werk der katalanischen Sängerin Rosalía. Derzeit kombiniert niemand besser Elektro, Pop und – Achtung: – Flamenco und Klassik mit tiefsinnigen Texten als die 33jährige aus der Nähe von Barcelona. „Divinize“, „vergöttern“, basiert auf einem biblischen Thema:

„Eine rote und runde Frucht – wer kann es erraten?
Offensichtlich ist es der Apfel. Der verbotene.
Wenn du ihn nur ansiehst, wirst du gerettet sein.“

Eva – Schlange – Apfel – Rauswurf aus dem Paradies: Der Vatikan freut sich über die Spiritualität in Rosalías Liedern. Passend dazu zeigt sich die Sängerin auf dem Cover von „Lux“ als angehende Nonne. Und singt über die allgegenwärtige Gefahr, Schuld auf sich zu laden. In „Divinize“ heißt es:

„Auch ohne (in den Apfel) hineinzubeißen,
ist dieser Geist noch am Leben.
Ich bin noch am Leben. Er ist lebendiger denn je.“

Sie versuche, die Überzeugungen starker heiliger Frauen zu besingen, so Rosalía über ihr Album. Gut möglich, dass die Sängerin unter „starken Frauen“ etwas anderes versteht als der Vatikan. Das würde auch das Cover von Rosalías letztem Album „Motomani“ erklären: Denn da trägt die Sängerin einen Motorradhelm. Mehr nicht.

Auch ein Ausdruck einer kompromisslosen, mutigen Haltung, ein Hinweis auf weibliche Stärke und gleichzeitig Verletzlichkeit. Grund genug also, um Rosalía begeistert zu feiern. Auch für diesen Song:


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