Ein Song und seine ganz besondere Geschichte. Die Hitstory hört ihr immer mittwochs!
Disco, Mädchen, Alkohol – vorbei war die Fußballerkarriere des jungen Tom Grennan. Und gleich schlug das Schicksal ein zweites Mal zu. Wortwörtlich: Ein paar Idioten verpassten dem Teenager einen komplizierten Kieferbruch. Das erste Mal, dass für ihn eine Welt zusammenbrach, so der Sänger später. Depressiv sei er gewesen, habe an Suizid gedacht, geglaubt, er würde von niemandem geliebt. Jahrelang begleitete ihn dieses Trauma. Es gelang ihm nicht, sich irgendjemanden anzuvertrauen.
Mittlerweile kann Tom Grennan über seine Kindheit und Jugend sogar singen. In „Somewhere Only We Would Know“ gibt es auch schöne Erinnerungen:
„Ein Ort, den nur wir kennen, an den nur wir gehen.
Es kommt mir vor, als wären wir erst gestern noch Kinder gewesen.
Wir waren jung. Wo ist das geblieben?
Ja, wir sind erwachsen geworden,
haben uns im Laufe der Jahre auseinandergelebt.
Aber du bist mir nicht aus dem Kopf gegangen.“
„Somewhere Only We Would Know“ ist mehr als ein nostalgischer Rückblick. Die Botschaft: Bewahre dir deine Erinnerungen. Sie sind eine Art geistiger Zufluchtsort. Manche Religionen nennen das „Begegnung mit dem Göttlichen“ und „Innerer Tempel“– Begriffe, die Tom Grennan als Katholik und langjähriger Schüler an katholischen Schulen kennt. Aus eigener Erfahrung weiß er: Wer seine Erinnerungen pflegt und weiterleben lässt, schafft gleichzeitig die Grundlage, um Verletzungen zu verarbeiten. Und um sie zu heilen. Manchmal, wie bei Tom Grennan, erst Jahre später. Aber immerhin.
Ein Typ wird an einer Polizeiwache abwiesen, mustert den Beamten und geht. Zuvor sagt er vieldeutig: „Ich komme wieder.“ Wenig später zerlegt er mit seinem Auto die Polizeistation.
Das ikonische „I’ll Be Back“ stammt von 1984. Arnold Schwarzenegger sagt ihn im ersten Terminator-Film. Bis heute immer wieder zitiert, auch von The BossHoss in ihrem gleichnamigen Song. Extra dafür ging Arnie noch einmal ans Mikrophon.
Wie immer: zwischen Rock und Country, der unverkennbare Gesang, die übliche Gelassenheit – ein typischer BossHoss-Song. Dazu ein tiefgründiger Text:
„Ich bin ein Reisender
und werde überall auf dieser Welt sein, so frei.
Ich schlage keine Wurzeln, ich ziehe weiter.
Meine Stiefel werden mich nicht im Stich lassen.“
Immer unterwegs, Reisen ohne Ziel, das Versprechen zurückzukommen – das typische Road-Song-Mantra also. Im Song ist der Weg das Ziel. Kein Abrackern, um seinen Platz in der Gesellschaft zu finden. Aber das feste Vertrauen, dass jemand hilft, wenn mal alles drunter und drüber geht. Zitat:
„Die Welt ist verrückt geworden, aber ich bleibe cool.
Haltet durch, Leute, es lohnt sich.
Bleibt cool, behaltet den Glauben.
Ich komme zurück!“
„Crazy“ und „Faith“ – trotz einer verrückten Welt bleibt die Hoffnung, dass alles wieder gut wird.
„Ich komme wieder“, sagte Jesus und versprach ein unendliches Reich des Friedens. Davon ist die Berliner Kapelle gar nicht so weit weg. Ein Song voller Trost und Zuversicht, dazu humorvoll und party-tauglich. Eben ein typischer BossHoss.
Rund zehn Jahre nach „Home“ veröffentlicht Nico Santos mit „Home pt. 2“ eine Fortsetzung. Darin geht es um Einsamkeit und die Sehnsucht zweier Menschen, die räumlich voneinander getrennt sind. Und es geht um das Zuhause als Wohlfühlort, als sicheren Hafen. Trotz Trennungsschmerz ist der Song optimistisch:
„Ich weiß, auch wenn es weit weg ist:
Wir sehen dieselben Sterne!“
Ein schönes Bild für eine unsichtbare Kraft, die Zeit und Raum überwindet – und damit auch Trennungen. Diese Kraft beschreibt schon vor rund 2000 Jahren die Bibel so:
„Wo dein Schatz ist, da ist auch dein Herz.“ (Mt 6,21 bzw. Lk 12,34)
Das heißt: Quasi automatisch richten Menschen ihre Aufmerksamkeit und Gefühle auf das, was ihnen am wichtigsten ist. Und: Wo ich mich wohlfühle, wo mich Menschen annehmen wie ich bin, wo sie mir Liebe, Geborgenheit und Sicherheit schenken – da ist mein Zuhause.
Nico Santos weiß: Besonders wenn er, der Musiker, auf Tour von seiner Frau Aileen Anna getrennt ist, können ihm unterschiedliche Stolpersteine begegnen. Die umschreibt er mit eingängigen Bildern. Und verbindet sie sofort mit dem Motiv des Heimkehrens:
„Durch Feuer, durch Regen,
durch schlechte Tage, durch Veränderungen;
kommt die Hölle oder kommt die Flut:
Ich werde zu dir nach Hause kommen.“
„Home pt. 2“ ist ein hoffnungsvoller Song. Er verbreitet die Überzeugung, dass Liebe und Gefühle füreinander auch über Entfernungen hinweg bestehen bleiben. Und was das Zuhause, den „sicheren Hafen“ anbelangt: „Die Menschen machen das Zuhause aus“, ist sich der Musiker sicher.
Die Musikzeitschrift Rolling Stone sprach vom „besten Album des ausklingenden Jahres“, FAZ, SPIEGEL und selbst der Vatikan jubelten. Und zwar über „Lux“, das aktuelle Werk der katalanischen Sängerin Rosalía. Derzeit kombiniert niemand besser Elektro, Pop und – Achtung: – Flamenco und Klassik mit tiefsinnigen Texten als die 33jährige aus der Nähe von Barcelona. „Divinize“, „vergöttern“, basiert auf einem biblischen Thema:
„Eine rote und runde Frucht – wer kann es erraten?
Offensichtlich ist es der Apfel. Der verbotene.
Wenn du ihn nur ansiehst, wirst du gerettet sein.“
Eva – Schlange – Apfel – Rauswurf aus dem Paradies: Der Vatikan freut sich über die Spiritualität in Rosalías Liedern. Passend dazu zeigt sich die Sängerin auf dem Cover von „Lux“ als angehende Nonne. Und singt über die allgegenwärtige Gefahr, Schuld auf sich zu laden. In „Divinize“ heißt es:
„Auch ohne (in den Apfel) hineinzubeißen,
ist dieser Geist noch am Leben.
Ich bin noch am Leben. Er ist lebendiger denn je.“
Sie versuche, die Überzeugungen starker heiliger Frauen zu besingen, so Rosalía über ihr Album. Gut möglich, dass die Sängerin unter „starken Frauen“ etwas anderes versteht als der Vatikan. Das würde auch das Cover von Rosalías letztem Album „Motomani“ erklären: Denn da trägt die Sängerin einen Motorradhelm. Mehr nicht.
Auch ein Ausdruck einer kompromisslosen, mutigen Haltung, ein Hinweis auf weibliche Stärke und gleichzeitig Verletzlichkeit. Grund genug also, um Rosalía begeistert zu feiern. Auch für diesen Song: