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Konstanz ist eine der wenigen deutschen Städte, in denen man zu Fuss die Landesgrenze überquert, ohne es zu bemerken. Die Altstadt geht nahtlos in das schweizerische Kreuzlingen über, der See liegt am Ende fast jeder Gasse, und die Wege sind kurz genug, dass ein Wochenende tatsächlich ausreicht. Was man daraus macht, hängt vor allem davon ab, ob man Stadt, Wasser oder Grenzland in den Mittelpunkt stellt.
Die Konstanzer Altstadt blieb im Zweiten Weltkrieg von Zerstörungen weitgehend verschont – begünstigt durch die unmittelbare Nachbarschaft zur neutralen Schweiz. Das Ergebnis ist ein zusammenhängender historischer Kern mit Gassen, Innenhöfen und bemalten Fassaden, der sich in zwei bis drei Stunden erlaufen lässt.
Bauliche Fixpunkte sind das Münster Unserer Lieben Frau mit dem begehbaren Turm und dem Blick über See und Stadt, das Rathaus mit seinem Renaissance-Innenhof sowie das Niederburg-Viertel nördlich des Münsters, der älteste Teil der Stadt. Wer nicht zielgerichtet läuft, sondern sich treiben lässt, kommt hier am weitesten.
Historisch ist Konstanz vor allem durch das Konzil von 1414 bis 1418 bekannt – die einzige Papstwahl, die je nördlich der Alpen stattfand. Das Konzilgebäude am Hafen, ursprünglich ein Kaufhaus, erinnert daran. Davor steht die Imperia, eine rotierende Figur des Bildhauers Peter Lenk, seit 1993 die inoffizielle Wahrzeichen-Skulptur der Stadt und bis heute Gegenstand von Diskussionen.
Für Regentage lohnt das Rosgartenmuseum zur Stadt- und Regionalgeschichte sowie das Archäologische Landesmuseum Baden-Württemberg, das die Funde der Region von der Steinzeit bis ins Mittelalter zeigt. Beide sind gut in zwei Stunden zu schaffen und liegen fussläufig.
Der eigentliche Reiz liegt aber am Ufer. Die Seestrasse führt vom Stadtgarten Richtung Norden an der Uferpromenade entlang – ein Weg, der ohne Anstrengung zu gehen ist und praktisch durchgehend Seeblick bietet. Weiter nördlich schliessen sich Badestellen und ruhigere Abschnitte an.
Wer mehr Zeit hat, nimmt das Schiff. Von Konstanz aus verkehren Kursschiffe zur Insel Mainau, zur Reichenau mit ihrem UNESCO-Welterbe-Klosterbezirk sowie nach Meersburg. Die Autofähre nach Meersburg fährt ganzjährig im dichten Takt und ist auch ohne Fahrzeug nutzbar – für viele die entspannteste Art, den Obersee zu queren.
Freitagabend: Ankommen, Uferpromenade laufen, in der Altstadt essen.
Samstagvormittag: Altstadtrundgang mit Münster und Niederburg.
Samstagmittag: Hafenbereich, Konzilgebäude und Imperia.
Samstagnachmittag: Schiff zur Mainau oder Reichenau – Rückfahrt vorab prüfen.
Samstagabend: Essen am Wasser, danach der kurze Weg nach Kreuzlingen.
Sonntagvormittag: Museum oder Fahrradtour am Ufer, je nach Wetter.
Sonntagmittag: Fähre nach Meersburg als Abschluss oder direkte Abreise.
Der Fussweg vom Konstanzer Bahnhof zur Grenze dauert wenige Minuten. Dahinter liegt Kreuzlingen – baulich eine Fortsetzung derselben Siedlung, praktisch ein anderes Land mit anderer Währung, anderen Öffnungszeiten und anderem Preisniveau.
Für Besucherinnen und Besucher ist das vor allem am Sonntag relevant: Während in Konstanz die Geschäfte geschlossen sind, gelten jenseits der Grenze eigene Regelungen. Umgekehrt ist samstags der Einkaufsverkehr aus der Schweiz nach Konstanz traditionell stark – wer mit dem Auto anreist, sollte das bei der Parkplatzsuche einkalkulieren und besser auf Park-and-Ride oder den Zug ausweichen.
Wer in der Schweiz einkauft und zurück nach Deutschland kommt, bewegt sich zollrechtlich in einem Drittland. Für die Rückkehr gelten Reisefreimengen mit einer Wertgrenze von 300 Euro pro Person; für Flug- und Seereisende liegt sie bei 430 Euro. Wichtig für die Region: Wer aus der Schweiz über den Bodensee einreist, gilt ausdrücklich nicht als Seereisender – die Schiffsfahrt ändert an der 300-Euro-Grenze also nichts.
Zu beachten ist ausserdem, dass die Freigrenze pro Person gilt und nicht zusammengerechnet werden kann. Ein einzelner Gegenstand oberhalb der Grenze ist mit seinem vollen Wert zu verzollen, nicht nur mit dem übersteigenden Anteil.
In die Gegenrichtung gilt Schweizer Recht. Bei der Einfuhr in die Schweiz wurde die Wertfreigrenze für die Mehrwertsteuer zum 1. Januar 2025 von 300 auf 150 Franken gesenkt. Für die Anmeldung stellt das Bundesamt für Zoll und Grenzsicherheit die App QuickZoll bereit, mit der sich Abgaben bereits vor dem Grenzübertritt berechnen und begleichen lassen.
Praktisch heisst das für ein Wochenende mit Einkaufsbummel: Belege aufheben, Werte grob im Kopf behalten und im Zweifel anmelden. Die Kontrollen an dieser Grenze sind nicht selten.
Konstanz ist per Bahn direkt erreichbar; der Bahnhof liegt unmittelbar am Hafen und damit im Zentrum. Vom Fährhafen aus sind es wenige Minuten in die Stadt, aus der Altstadt zum Seeufer ebenfalls. Wer mit dem Auto kommt, sollte die Parksituation vorab klären – die Innenstadt ist stark bewirtschaftet.
Bei der Unterkunft macht die Lage den grössten Unterschied: Wer direkt am Wasser übernachtet, spart sich Wege und hat den See auch morgens und abends vor Augen. Am Ufer finden sich Häuser in unterschiedlichen Kategorien, darunter auch ein Fünf-Sterne-Hotel am Bodensee in Gehweite zum Stadtzentrum. In der Hochsaison und an Veranstaltungswochenenden ist frühzeitige Buchung ratsam, weil das Angebot in Ufernähe begrenzt ist.
Die Sommermonate sind naheliegend, aber auch am vollsten – Seenachtfest, Badebetrieb und Radverkehr treffen dann zusammen. Wer es ruhiger mag, reist im Mai, Juni oder September: Das Wetter ist verlässlich genug für Schifffahrt und Uferwege, die Stadt aber deutlich entspannter.
Herbst und Winter haben eine eigene Qualität. Der Nebel über dem See ist ein Phänomen für sich, die Museen sind leer, und die Gastronomie hat Zeit. Zu beachten ist allerdings der eingeschränkte Schiffsfahrplan: Zwischen Ende Oktober und Ostern verkehren die Kursschiffe deutlich seltener oder gar nicht – die Autofähre nach Meersburg fährt dagegen ganzjährig.
Für einen zweiten Tag bieten sich drei Richtungen an: die Insel Mainau mit ihren Gartenanlagen, die Reichenau mit dem Klosterbezirk und dem Gemüseanbau, oder eine Etappe des Bodensee-Radwegs. Letzterer lässt sich unkompliziert mit Schiff oder Bahn kombinieren – Räder werden auf den meisten Verbindungen mitgenommen, in der Hochsaison allerdings mit Kapazitätsgrenzen.
Konstanz eignet sich für ein Wochenende besser als für einen längeren Aufenthalt – nicht weil es wenig gäbe, sondern weil alles nah beieinanderliegt. Altstadt, Hafen, Uferweg und Grenzübergang sind zu Fuss verbunden, Schiff und Fähre erweitern den Radius ohne Aufwand. Wer die Zollregeln kennt, die Schiffssaison im Blick behält und nah am Wasser übernachtet, braucht für dieses Wochenende kaum Planung.
29.07.2026
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