Queen



Schon auf ihren ersten Alben "Queen" (1973), "Queen II" (1974) und "Sheer Heart Attack" (1974), die alle innerhalb von nur 16 Monaten erschienen, waren zwei sehr unterschiedliche musikalische Pole erkennbar. Da waren die von Brian Mays oft kaum nachvollziehbaren Gitarrenkaskaden angetriebenen Rocknummern wie "Keep Yourself Alive", "Liar" und "Brighton Rock". Aber es gab auch schon die durch Freddies Pianospiel signifikanten Balladen wie "Killer Queen". Diese Single war ihr erster großer Hit (UK No.2), nachdem sie bereits dank Freddies extravagantem Auftritt in "Top Of The Pops", bei dem er im schwarzen Einteiler majestätisch über die Bühne stolzierte, mit "Seven Seas Of Rhye" in die englischen Top Ten einmarschiert waren. Der internationale Karrieresprung schien unaufhaltsam. In Amerika war man mittlerweile auf den ausgefallenen Royal Rock aufmerksam geworden.

Was 1975 geschah, veränderte die Welt der Rockmusik auf Jahre, wenn nicht Jahrzehnte. Eine Single wie "Bohemian Rhapsody" hatte es bis dahin noch nicht gegeben. Die Verbindung von Klassik und Rock in einem bis dato für unrealisierbar erachtetem Drama. Eine Innovation. Ein gewagter Zeitsprung. Ein berauschendes Meisterwerk. Und der Inhalt? Das Geständnis eines zum Tode Verurteilten? Noch heute rätseln die Fans über die wahre Bedeutung dieses Songs. Mit seinen 5 Minuten und 55 Sekunden war dies nicht nur einer der längsten Spitzenreiter der englischen Chart-Geschichte, Queen lieferten auch noch den nachweislich ersten Video-Clip in der Historie der Rockmusik. Gedreht hatten sie das Filmchen in vier Stunden, eine aus der Not geborene Aktion , da sie einen Fernsehtermin nicht persönlich wahrnehmen konnten. Auf der Beliebtheitsskala der Queen-Songs nimmt "Bohemian Rhapsody" seitdem eine Sonderstellung ein.

Die magische Anziehungskraft von Queen führte im Verlauf der Achtziger zu immer neuen Phänomenen. 1985 spielten sie in Rio de Janeiro vor 250.000 Zuschauern. Weltrekord für einen einzelnen Act! Im selben Jahr lag ihnen bei dem spektakulären Auftritt beim Live-Aid-Konzert die Welt zu Füssen. Ihr 20minütiger Auftritt galt unter allen mitwirkenden Künstlern als der "magische Moment" dieser Benefiz-Veranstaltung! "A Kind Of Magic" (1986) demonstrierte mit den Singles "One Vision", "Friends Will Be Friends" und "Who Wants To Live Forever" den weiterhin unaufhaltsamen kreativen Output an Hits. 1986 wurde ein Jahr der Premieren und Rekorde. Queens Konzertfilm "Real Magic" war die erste Simultan-Stereoausstrahlung im englischen Privatfernsehen und Privatrundfunk. Als erster Major-Act spielten sie hinter dem eisernen Vorhang in Nepstadion Budapest, das erste Konzert dieser Art im gesamten Ostblock. Zwei binnen kürzester Zeit ausverkaufte Konzerte im Wembley Stadion; 400.000 Menschen im englischen Knebworth-Park; die Filmpremiere von "Highlander", zu dem Queen die Musik schrieben; die Band spendete den Reinerlös eines Stadion-Konzerts in Newcastle an einen Kinderhilfsfond. Queen waren in allen Kategorien die Poll-Abräumer des Jahres. Sie waren eine "nationale Institution" geworden.

1986 war auch das Jahr, in dem sich Queen endgültig von der Bühne verabschiedeten. Mittlerweile hatten alle vier Musiker Solo-Exkursionen unternommen oder mit anderen Musikern zusammengearbeitet. Schon bei den Aufnahmen zu "The Miracle" (1989) wußte Freddie Mercury, daß er HIV-infiziert war, hatte aus dem Bandumkreis jedoch nur ihren langjährigen Manager Jim Reid eingeweiht. Freddie ließ den Kopf nicht hängen, sondern stürzte sich mit bewundernswerter Kraft und erstaunlicher Besessenheit in die Arbeit. "Breakthru" und insbesonders "I Want It All" waren musikalische Zeugnisse seiner nicht zu bändigenden Willenskraft. Mit "Innuendo" setzte der Rock-Phönix ein weiteres Mal zu einem Höhenflug an, den kaum einer mehr von Queen erwartet hätte. Pressestimmen: "Innuendo ist ohne Zweifel das A Night At The Opera der Neunziger." (Metal Hammer); "Innuendo ist das erste Album, das Verletzlichkeit nicht in falscher Stärke, Ohnmacht nicht in scheinbare Macht ummünzt. Queen sind mit Innuendo zu sich selbst zurückgekehrt." (ME/Sounds, 'Platte des Monats'); "Das neue Opus erweist sich als das beste, was Queen jemals auf Platte veranstaltet haben." (Bravo); "Wenn nicht alles täuscht, ist diese Klasseplatte ein Abschiedswerk." (Tempo)

Ja, es war ein Abschied. Wer genau hinhörte, erkannte bei Songs wie "The Show Must Go On" und "These Are The Days Of Our Lives" den leichten Wehmut, der den Menschen ergreift, wenn es heißt, für immer Abschied zu nehmen. Wer genau hinschaute, konnte beim Betrachten der letzten Video-Clips sehen, daß Freddie Mercury von seiner Krankheit schon schwer gezeichnet war. Erst einen Tag vor seinem Tod gab er seine Krankheit offiziell bekannt. In einem seiner letzten Interviews mit dem Video-Regisseur Rudi Dolezal, eine Hälfte der "Torpedo-Twins", hatte Freddie Mercury seinem Freund anvertraut: "Das wichtigste, was ich in meiner Karriere als sogenannter Popstar gelernt habe, ist folgendes. Für jede Stufe, die du auf der Leiter des Erfolges hinaufsteigst, mußt du etwas das dir sehr am Herzen liegt, zurücklassen - Freunde, Privatsphäre, Unbekümmertheit, Naivität. Obwohl ich schon viel in meinem Leben zurücklassen mußte, habe ich noch immer nicht das Gefühl, ganz oben an der Leiter angekommen zu sein. Irgendwo da oben ist noch etwas, das ich mir holen muß." Dieses Etwas dürften seine Fans nun auf "Made In Heaven" finden. Der König ist tot, aber mit Queen wird er noch lange in Millionen von Herzen weiterleben.

Nach dem Tod von Mercury traten die verbliebenen Queen-Mitglieder May, Taylor und Deacon beim Freddie Mercury Tribute Concert 1992 gemeinsam mit einer Vielzahl an Gastsängern auf, darunter waren Roger Daltrey, James Hetfield, Robert Plant, Seal, David Bowie, Annie Lennox, George Michael, Lisa Stansfield, Elton John, Axl Rose und Liza Minnelli. Der zweite – und zugleich letzte – Auftritt zu dritt fand 1997 anlässlich der Premiere von Maurice Béjarts Ballett in Paris statt.

In den folgenden Jahren unternahmen Brian May und Roger Taylor (ohne Beteiligung von John Deacon) verschiedenste kleinere Live- und Studio-Projekte unter dem Namen „Queen+“: May und Taylor teilten sich dabei den Lead-Gesang mit wechselnden Gastsängern. Ab Ende 2004 gab es eine dauerhafte Zusammenarbeit mit Paul Rodgers. Mit ihm gemeinsam fanden 2005 und 2006 unter dem Namen „Queen + Paul Rodgers“ ausgedehnte Tourneen durch Europa, Japan und Nordamerika statt.


Freddie Mercury - Gesang, Klavier (*05.09.1946, † 24.11.1991)
Brian May - Gitarre, Gesang
Roger Taylor - Schlagzeug, Gesang
John Deacon - E-Bass (tritt seit 1997 nicht mehr live auf)

Weitere Infos unter www.queenonline.com


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06.09.2010, 08:29 Uhr

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